In der Stadt Zürich wird nicht nur im Sommer viel gebaut: Pro Jahr starten mehr als 100 Baustellen auf öffentlichem Grund. Insbesondere der Klimaumbau (Netto-Null 2040) erhöht die Bautätigkeit stetig. Die Baustellen erschweren den Verkehrsfluss, stören Anwohnerinnen und Anwohner und schädigen KMU. Mit einer Motion forderte die FDP den Ersatz von 50 Prozent der nachgewiesenen Umsatzeinbussen von KMU, die durch längerdauernde Bautätigkeiten auf öffentlichem Grund entstehen. Der Gemeinderat hat das umgewandelte Postulat mit 107:9 Stimmen an den Stadtrat überwiesen. 

Baustellen lähmen die Stadt
Insbesondere KMU, welche auf Laufkundschaft angewiesen sind, leiden unter der exzessiven Bautätigkeit der Stadt Zürich. Im Seefeld beispielsweise staut sich der Verkehr derzeit auf mehreren Achsen, seit der Kreuzplatz und die Bellerivestrasse gleichzeitig umgebaut werden. Dabei wird nicht nur der motorisierte Individualverkehr (MIV) behindert, auch der öffentliche Verkehr (ÖV) steckt im Stau. Nicht nur in der Rush-Hour dauert eine Tramfahrt von der Höschgasse zum Opernhaus neuerdings 20 Minuten. Ein Ladeninhaber mit Wohnsitz in Herrliberg benötigt für seinen Arbeitsweg neu 90 statt 30 Minuten. Unglücklicherweise ist er auf das Auto angewiesen. Zürich baut sich, zumindest was die Reisezeit anbelangt, zurück ins Mittelalter. 

KMU erleiden Umsatzeinbussen
Die angeordneten Verkehrsumleitungen erschweren nicht nur den Arbeitsweg von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, sondern auch den Zugang für Lieferanten und Kunden. Geschäfte sind gezwungen, ihre Personalplanung sowie die Lieferketten zu optimieren. Schlimmer als das ist aber das Ausbleiben von Kunden. Betroffene KMU berichten, abhängig von der Branche, über Umsatzeinbussen von 30-75 Prozent. Die Verkehrsbeschränkungen verstärken die ohnehin negativen Auswirkungen der Bautätigkeit. Einzelne Geschäfte werden durch Baustellen geradezu umzingelt. Das Restaurant Enoteca Riviera an der Dufourstrasse klagte schon im letzten Sommer über einen staken Umsatzrückgang. Seither musste zusätzlich die Rad-WM 2024 und die Notsanierung der Bellerivestrasse verkraftet werden. Das Restaurant Bohemia am Kreuzplatz, mit 30 Mitarbeitenden, musste im Sommer 2025 während neun Wochen komplett schliessen. Das, nachdem letztes Jahr bereits die Forchstrasse saniert und die Rad-WM stattfand. Kurzarbeit konnte nicht angemeldet werden. 

Simone Brander (SP) meint: „KMU profitieren“
Im Gemeinderat meinte die zuständige Stadträtin, Simone Brander (SP) lapidar, KMU profitierten langfristig von einer guten Infrastruktur. Kurzfristige Umsatzeinbussen seien verkraftbar und gehörten zum unternehmerischen Risiko. Zudem werde die Infrastruktur höchstens alle 20-30 Jahre erneuert. Auch beim Verkehrsfluss gebe es nicht viel zu optimieren, die zuständige Dienstabteilung gehe auf die Leute zu. 

Nicht so im Seefeld: Nachdem 2024 die Forchstrasse totalsaniert wurde, fand im Herbst die Rad-WM 2024 statt, welche das Quartier während zwei Wochen vom Rest der Welt abschnitt. Nach der Rad-WM begann der Umbau des Kreuzplatzes. Diese dauert voraussichtlich bis Herbst 2025. Anschliessend wurde bereits der Einbau der Fernwärme angekündigt (2027). Dazu durfte die gerade totalsanierte Forchstrasse erneut vollständig aufgerissen werden. Statt einmal alle dreissig Jahre finden in Zürich Grossbaustellen somit im Jahrestakt statt. 

Übrigens: Mit den KMU wollte bei der Verkehrsplanung niemand von der Stadt sprechen. Erst als die Probleme von der Presse aufgenommen wurden und die FDP Druck machte, bewegte sich die Dienstabteilung und stellte die Signalisation um. 

Entschädigung? Zu teuer.
Der Stadtrat ist der Auffassung, eine Entschädigung für betroffene KMU sei nicht angemessen, schwer quantifizierbar und administrativ aufwändig. Echt jetzt? Eine Stadt, die rund 15 Milliarden Franken für den Klimaumbau ausgibt und pro Jahr für rund 500 Millionen Franken Wohnungen auf dem freien Markt einkauft, macht sich Sorgen wegen Entschädigungen, die kaum mehr als 2 Millionen Franken pro Jahr kosten dürften? Eine Stadt, die für jedes gefühlte Problem eine Beratungsstelle schafft, befürchtet administrativen Mehraufwand. Grün Stadt Zürich (GSZ), eine Dienstabteilung im Departement Brander, gibt gerade 1 Million Franken aus, um Jungbäume die Stadt Zürich erkunden zu lassen. Dazu werden die eingetopften Bäume von einem Platz zum nächsten gekarrt (vermutlich nicht mit dem Lastenvelo) und dort für ein paar Wochen abgestellt. Ziel: Etwas Schatten und die Sensibilisierung des Volkskörpers. Und dieses Departement befürchtet Mehrkosten und administrativen Mehraufwand? 

Zumindest die SP-Fraktion anerkennt das Problem
Im Stadtparlament hat zumindest der Sprecher der SP-Fraktion das Problem grundsätzlich anerkannt und Hand für eine Lösung geboten. Es müsse eine gesetzliche Lösung für die bestehenden Probleme gefunden werden. Wir nehmen die SP beim Wort und bleiben am Ball. Unser umgewandeltes Postulat wurde am 20. August 2025 von allen Parteien, ausser der AL, angenommen. 

Zwei weitere Postulate, welche die Erfassung der Umsatzeinbussen und die Optimierung des Verkehrsflusses im Rahmen von Grossbaustellen forderte, waren im Gemeinderat leider chancenlos. Die SP wollte den Verkehrsfluss für „Zufussgehende“ und Radfahrende optimieren. Die Grünen lehnten jede Verbesserung für den MIV ab. Unterstützt wurde Rot-grün von der GLP. Einzig Mitte/EVP und SVP unterstützten unser Anliegen. Damit ist auch gesagt, dass eine vernünftige Politik in der Stadt Zürich eine andere Zusammensetzung des Gemeinderats erfordert.  

Am 8. März 2026 FDP wählen!
Bei der Parkkartenverordnung, über die am 28. September 2025 abgestimmt wird, verwendet die Stadt KMU und Gewerbebetriebe gerne als Feigenblatt. Wenn es aber darum geht, die Rahmenbedingungen für KMU effektiv zu verbessern (oder zumindest nicht zu verschlechtern), folgen den Worten keine Taten. 

Deshalb: Am 8. März 2026 die linke Mehrheit brechen und FDP wählen! Die Zürcher Wirtschaftspolitik braucht mehr Sachverstand und weniger Ideologie, mehr Lösungen und weniger Symbolpolitik. Jede Stimme zählt! 

FDP Stadt Zürich. Für unsere KMU. Für Zürich. Für Dich.


Emanuel Tschannen,
Gemeinderat Stadt Zürich Kreis 7+8