Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Politik ist für mich als knapp 30-Jährige ein grosses Thema. Nach meinem Masterabschluss ist es Zeit, Früchte zu ernten, ohne angezogene Handbremse Geld zu verdienen und Rücklagen zu bilden. Als gute FDP-Frau – so die Erwartung – soll ich also nach drei Monaten Babypause wieder voll in den Beruf einsteigen, das Kind fremdbetreuen lassen und mit meinem Mann den Vollspagat von Beruf und Familie meistern. Früher fand ich das charmant, heute verunsichert es mich.

Entsprechend grosse Erwartungen hatte ich an den Kita-Anlass vom 13. Mai 2025, den die FDP Frauen Kanton Zürich mit Vertreterinnen aller politischen Ebenen sowie einer Vertreterin von Kibesuisse organisierten. Ernüchterndes Fazit: Qualität und Kosten der Kinderbetreuung hängen in der Schweiz stark vom Wohnort ab – in Zürich tragen Eltern bis zu zwei Drittel der Kosten, im Kanton Waadt im Schnitt nur 38 Prozent (Quelle: BSV). Das darf und kann es doch nicht sein!

Unterstützung soll an Arbeitspensen gekoppelt sein statt nach dem Giesskannenprinzip funktionieren und auch nicht einseitig von der Wirtschaft eingefordert werden. Der Kanton soll Standards festlegen, die Gemeinden definieren daraus, was ein «bedarfsgerechtes» Angebot bedeutet. Zudem braucht es höhere kantonale Kinderabzüge von bis zu 25 000 Franken in allen Kantonen.

Kinder auf die Welt stellen ist nicht mehr die Norm, aber Kinder sind systemrelevant. Das Problem des demografischen Wandels ist sehr ernst zu nehmen, wie mein Herkunftsland Südkorea zeigt. Ich will keinen All-you-can-eat-Service vom Staat. Mein Dilemma zwischen Karriere und Kinderwunsch aber bleibt. Lassen wir die jungen Leute mit ihren Bedenken einfach im Raum stehen und geben somit den Parteien von Mitte-links mit ihren Initiativen freie Bahn – oder handeln wir selbst als FDP?


Je-Un Kang,
Vorstandsmitglied FDP Frauen Kanton Zürich und FDP Uster