Am 8. März 2026 stimmt die Schweiz über das Bundesgesetz über die Individualbesteuerung ab. Fabienne Farner, Präsidentin der FDP Frauen Kanton Zürich, erklärt, warum die Reform Fairness schafft, Erwerbsarbeit stärkt und unser Steuersystem an die heutige Lebensrealität anpasst.

Frau Farner, worum geht es bei der Abstimmung konkret?

Bei verheirateten Paaren werden die Einkommen zusammengerechnet und gemeinsam besteuert, Konkubinatspaare individuell. Das führt je nach Konstellation zu einer Heiratsstrafe oder zu einem Heiratsbonus. Dadurch rutschen viele Haushalte in eine höhere Steuerklasse. Das zusätzliche Einkommen wird also stärker belastet. Die Folge ist, dass sich Mehrarbeit finanziell oft kaum lohnt. Mit der Individualbesteuerung wird jede erwachsene Person separat besteuert, unabhängig vom Zivilstand.

Was ändert sich für Ehepaare, die heute eine Heiratsstrafe zahlen?

Sie werden entlastet. Rund 50 Prozent der Ehepaare werden steuerlich entlastet, bei 36 Prozent ändert sich nichts. Etwa 14 Prozent zahlen etwas mehr, weil sie heute von einem Bonus profitieren.

Ein zentrales Argument sind die Erwerbsanreize. Warum ist das gerade für Frauen wichtig?

Weil das heutige System Mehrarbeit ausbremst. Bei verheirateten Paaren wird das Zweiteinkommen zum ersten dazugerechnet und dadurch stärker besteuert. Das betrifft häufig Frauen. Viele würden ihr Pensum gerne erhöhen, merken aber schnell, dass sich zusätzliche Arbeit finanziell kaum lohnt. Studien zeigen, dass mit der Individualbesteuerung bis zu 44 000 zusätzliche Vollzeitstellen entstehen könnten, vor allem, weil gut ausgebildete Frauen ihr Pensum erhöhen oder wieder in den Arbeitsmarkt einsteigen. Das stärkt die finanzielle Unabhängigkeit und verbessert die Altersvorsorge. Zudem können wir unser inländisches Fachkräftepotenzial besser ausschöpfen.

Kritiker warnen vor einer «Bestrafung traditioneller Familien». Was entgegnen Sie?

Die Individualbesteuerung schreibt keine Lebensform vor, sondern macht das Steuersystem neutraler. Unser heutiges Steuersystem ist historisch gewachsen. Es stammt aus einer Zeit, in der Lebensmodelle überschaubarer und homogener waren als heute. Dieses System hat lange funktioniert, aber unsere Gesellschaft hat sich weiterentwickelt. Bereits 2021 waren 82 Prozent der Mütter von minderjährigen Kindern erwerbstätig, und das soll sich auch finanziell lohnen.

Gegner sagen: Künftig müssen Verheiratete zwei Steuererklärungen ausfüllen. Ist das ein Bürokratie-Schub?

Nein, das ist eine Reform unseres Steuersystems! Bei Systemumstellung entstehen Aufwände; wichtig ist, dass keine langfristigen Kosten entstehen. Dazu kommt, dass bei jedem Zivilstandswechsel – auch wenn die Ehepartnerin oder der Ehepartner stirbt – die Steuerdossiers bislang zusammengelegt oder getrennt werden. Dieser administrative Aufwand fällt mit der Individualbesteuerung weg – ein beachtlicher Vorteil, wenn man eine durchschnittliche Scheidungsrate von über 40% bedenkt und dass Personen im Schnitt mehrmals heiraten.

Wie wirkt sich die Vorlage finanziell aus?

Bundesrat und Parlament rechnen bei der direkten Bundessteuer mit einer Entlastung der Steuerzahlenden von insgesamt rund 630 Millionen Franken pro Jahr. Das ist eine gezielte Entlastung dort, wo das System heute unfair ist.

Auch die Kantone müssen umstellen. Ist das ein Problem?

Die Kantone führen die Individualbesteuerung ein, behalten aber ihre Kompetenz für Tarife und Abzüge. Der Föderalismus bleibt intakt.

Zum Schluss: Ihr Appell an die Zürcherinnen und Zürcher?

Am 8. März haben wir die Chance, endlich die Heiratsstrafe abzuschaffen! Mit einem Ja zur Individualbesteuerung sorgen wir dafür, dass Leistung zählt, nicht der Zivilstand.