Ein zusätzlicher Arbeitstag bedeutet nicht einfach mehr Arbeit und mehr Lohn. Vom zusätzlichen Einkommen bleibt unglaublich wenig als Nettoeinkommen übrig – insbesondere bei mittleren und höheren Einkommen.

Wer mehr arbeitet, wird doppelt bestraft: mit höheren Steuern und teurerer Kita. Eine neue Studie der Universität St. Gallen zeigt am Beispiel der Stadt Zürich, wie stark diese Fehl-
anreize wirken. Mit steigendem Einkommen wachsen nicht nur die Steuern, sondern auch die einkommensabhängigen Betreuungskosten. In einem konkreten Beispiel bleiben von rund 20 000 Franken zusätzlichem Bruttoeinkommen am Ende nur rund 4600 Franken netto übrig. Berücksichtigt sind Steuern, Sozialabgaben, Betreuungskosten und der Wegfall einkommensabhängiger Leistungen. Das kann und darf nicht der richtige Anreiz sein. Meine politische Forderung ist deshalb klar: Ein zusätzlicher Arbeitstag soll eine Familie höchstens 100 Franken an zusätzlichen Kita-Kosten kosten. Wer mehr arbeitet, soll am Ende auch spürbar mehr auf dem Konto haben. Unsere Wirtschaft braucht mehr Erwerbsarbeit, um unseren Wohlstand trotz der demografischen Alterung zu sichern. Wer 20 000 Franken zusätzlich verdient, darf nicht weiterhin drei Viertel dieses Einkommens durch Steuern, Abgaben, höhere Betreuungskosten und den Wegfall von Vergünstigungen wieder verlieren. Je günstiger die Kita, desto mehr lohnt sich das Arbeiten. Wenn Frauen in Zürich ihr Pensum erhöhen wollen – ob auf 40, 60, 80 oder 100 Prozent –, muss sich das finanziell wieder lohnen.

Eine Reform ist dringend nötig: Eine günstigere Kita ist nicht nur Familienpolitik. Sie ist vorallem Steuer- und Arbeitsmarktpolitik.
Hier geht’s zur Studie: https://ile.unisg.ch/de/institut/projekte/erwerbsanreize-in-der-stadt-zurich/

Petra Ganz
Vorstandsmitglied FDP Frauen Kanton Zürich
und Bezirk Horgen